Bericht von der AktiKo.Werkstatt

Am 14. Novem­ber fand die AktiKo.Werkstatt in der Aula des Ler­chen­feld-Gym­na­si­ums statt. Rund 90 Teil­neh­men­de kamen zusam­men, um sich zu ver­net­zen und die nächs­ten Schrit­te für eine star­ke zivil­ge­sell­schaft­li­che Unter­stüt­zung eines sozi­al gerech­ten Kli­ma­schut­zes zu pla­nen.

Zukunftsentscheid Hamburg

Lou Töll­ner vom Team Zukunfts­ent­scheid berich­te vom erfolg­rei­chen Zukunfts­ent­scheid und bedank­te sich bei den anwe­sen­den Unter­stüt­ze­rIn­nen. Sie hob her­vor, dass das Ver­hält­nis von Ja- zu Nein-Stim­men in den Außen­be­zir­ken enger bei­ein­an­der liegt, als oft ange­nom­men wird – selbst in den sog. „Nein-Bezir­ken“ gab es signi­fi­kan­te Ja-Antei­le. Außer­dem lud Lou zum Zukunfts­ple­num am 24.11., 18:30 Uhr, Kamp­stra­ße 15 ein, um die Aktio­nen des Zukunfts­ent­scheids für das kom­men­de Jahr zu dis­ku­tie­ren.

Klimabeirat Hamburg

Als zwei­tes sprach Prof. Jörg Knie­ling vom Kli­ma­bei­rat des Senats der FHH. Sei­ne Bot­schaft war klar: Der Senat müs­se deut­lich mehr tun, schon um die Kli­ma­zie­le für 2045 zu errei­chen – ins­be­son­de­re in den Berei­chen Gebäu­de & Ener­gie sowie Ver­kehr. Nach der Volks­ab­stim­mung muss der Kli­ma­plan deut­lich ambi­tio­nier­ter wer­den. Auf die Fra­ge nach der Rol­le von CCS (CO₂-Abschei­dung) ant­wor­te­te er, das CCS die “Zweit­bes­te Stra­te­gie” sei. Prio­ri­tär sei­en Suf­fi­zi­enz und ein Kli­ma­schutz, der posi­tiv erlebt wird.

Austausch & Vernetzung

Nach einer 30-minü­ti­gen Pau­se mit lecke­rem Cate­ring von Chick­peace star­te­te das World Café.
Ziel: in sechs Hand­lungs­fel­dern kon­kret wer­den, sich ver­net­zen und nächs­te Schrit­te pla­nen.

1. Bürger*innenbeteiligung, z.B. Bürgerräte

Von Mehr Demo­kra­tie e. V. und schon vie­len Unter­stüt­ze­rIn­nen wur­de der Vor­schlag ein­ge­bracht, nach dem Zukunfts­ent­scheid in einem vom der Bür­ger­schaft ein­zu­be­ru­fen­den, los­ba­sier­ten Kli­ma­bür­ger­rat einen reprä­sen­ta­ti­ven Quer­schnitt aus der Stadt­ge­sell­schaft zum Dia­log ein­zu­la­den. Der Bür­ger­rat wür­de — gestützt auf wis­sen­schaft­li­che Exper­ti­se — sei­ne prio­ri­tä­ren Emp­feh­lun­gen zur Umset­zung des ver­bes­ser­ten Kli­ma­schutz­ge­set­zes an die Bür­ger­schaft geben.
Sei­tens man­cher Regie­run­gen gibt es Vor­be­hal­te gegen die­ses neue Instru­ment deli­be­ra­ti­ver Demo­kra­tie. Es wur­de dis­ku­tiert, wie in Ham­burg ins­be­son­de­re die SPD dafür gewon­nen wer­den kann, nach­dem die Grü­nen sich inzwi­schen dafür aus­ge­spro­chen haben. Und es wur­den die Chan­cen abge­wo­gen, dass der vor­ge­schla­ge­ne Bür­ger­rat nicht zu einer wei­te­ren Pseu­do­be­tei­li­gung ohne ech­te Ein­fluss­mög­lich­kei­ten ver­kommt.

Kon­kret mün­de­te dies in der Ent­schei­dung ein prak­ti­sches Hand­out auf­zu­le­gen, Res­sour­cen in einer gemein­sam getra­ge­nen Initia­ti­ve zu bün­deln, ziel­ge­rich­te­te Kon­takt zu Senator*innen auf­zu­neh­men und am 24.11. beim Zukunfts­ple­num das The­ma auf die Agen­da brin­gen.

2. Klimaresiliente Stadt, z.B. Abpflastern

Im Hand­lungs­feld wur­de deut­lich, wie viel­sei­tig Stadt­ent­wick­lung ist – von Was­ser­ma­nage­ment bis Schat­ten­pla­nung, über den Schutz von Wäl­dern bis hin zu Grün­dä­chern. Die Grup­pe dis­ku­tier­te u. a. die posi­ti­ve Kom­mu­ni­ka­ti­on von Best-Prac­ti­ce-Bei­spie­len, das The­ma Abpflas­tern sowie die Ambi­va­lenz zwi­schen Kli­ma­an­pas­sung und Kli­ma­schutz. Der größ­te Gewinn lag dar­in, dass sich vie­le Akteur*innen erst­mals ver­netz­ten und gemein­sa­me Ansatz­punk­te für Koope­ra­tio­nen fan­den.

3. Energie in Bürger*innenhand, z.B. Solarisierung & soziale Wärmewende

Die Grup­pe fand einen schnel­len Ein­stieg in die Pro­ble­ma­tik des Fel­des und einig­te sich auf das Para­dig­ma der “kon­stan­ten Warm­mie­te”. Durch ener­ge­ti­sche Gebäu­de­sa­nie­rung und rege­ne­ra­ti­ve Wär­me­quel­len soll Warm­mie­ten­neu­tra­li­tät erreicht wer­den — ein Gewinn für Mieter*innen und Vermieter*innen. Durch Gebäu­de­sa­nie­rung könn­ten auch die stei­gen­den Fern­wär­me­kos­ten neu­tra­li­siert wer­den — weil weni­ger Heiz­ener­gie benö­tigt wird. Für die Umset­zung braucht es Leuch­turm­bei­spie­le und poli­ti­schen Druck. Es wird eine Koope­ra­ti­on mit der bun­des­wei­ten Mie­ten­de­ckel-Kam­pa­gne ange­strebt. Direkt wur­de eine ‘Signal’-Gruppe (“Kon­stan­te Warm­mie­te”) gebil­det. Dort hat die Zusam­men­ar­beit schon begon­nen – ein ers­tes Bünd­nis­tref­fen ist für den 1. Dezem­ber geplant.

4. Gerechte Stadt- und Mobilitätsplanung, z.B. ÖPNV-Stärkung & verkehrsberuhigte Quartiere

Schon in der Vor­stel­lungs­run­de wur­de deut­lich, wie viel­fäl­tig die The­men und Arbeits­rea­li­tä­ten der betei­lig­ten Initia­ti­ven sind. Sie agie­ren auf unter­schied­li­chen Ebe­nen (Lokal vs. Lan­des­ebe­ne) und mit ver­schie­de­nen Schwer­punk­ten, von Fahr­rad­in­fra­struk­tur über den ÖPNV bis hin zur STVO. Gera­de des­halb rich­te­te sich der Fokus zukünf­tig auf den Auf­bau eines gemein­sa­men Mobi­li­täts­bünd­nis­ses, das als Dach­or­ga­ni­sa­ti­on den Aus­tausch von Wis­sen und Daten erleich­tert und zugleich eine star­ke poli­ti­sche Stim­me nach außen ermög­licht.

5. Klimagerechtigkeit & Finanzen, z.B. Reichensteuer

In der Grup­pe wur­de dis­ku­tiert, wie gerech­te­re Besteue­rung, etwa durch Ver­mö­gens­steu­ern, das Schlie­ßen von Steu­er­schlupf­lö­chern und höhe­re Erb­schafts­steu­ern sozi­al-gerech­ten Kli­ma­schutz unter­stüt­zen kann.
Der Arbeits­kreis Rei­chen­steu­er, getra­gen von Goli­a­thwatch, Gemein­wohl­öko­no­mie Ham­burg, Ger­man Zero Ham­burg und Attac Ham­burg, der sich bereits bei der AktiKo.VIER gegrün­det hat­te, hat sich nun um Green­peace HH erwei­tert und kon­kre­te Akti­ons­schrit­te ent­wi­ckelt. Inter­es­sier­te kön­nen sich hier anschlie­ßen.

6. Vorbereitung der großen AktiKo-Konferenz 2026

Es wur­den ers­te Per­spek­ti­ven für die AktiKo.Fünf am 17./18. April 2026 gesam­melt und wich­ti­ge Anre­gun­gen für For­ma­te, Ziel­set­zung, Ziel­grup­pe, Impact dis­ku­tiert.
Abschluss im Fish­bowl

Zum Abschluss wur­den die Ergeb­nis­se der sechs Grup­pen im Fish­bowl-For­mat vor­ge­stellt – unter der Mode­ra­ti­on von Mei­ke Pud­latz.
Im Feed­back wur­de neben viel Zufrie­den­heit mit dem Pro­gramm und der Durch­füh­rung der AktiKo.Werkstatt kri­tisch das auto­ma­ti­sier­te Belüf­tungs­sys­tem der Aula erwähnt, das dafür sorg­te, dass es unge­müt­lich kalt war. Beim nächs­ten Mal wird das anders!

Uns ist klar, dass die­ser Bericht nur einen klei­nen Ein­blick in die vie­len Ideen und Ansät­ze der AktiKo.Werkstatt geben kann. Die News­let­ter-Redak­ti­on lädt alle Betei­lig­ten ein, über ihre wei­te­ren Fort­schrit­te und Pro­jek­te zu berich­ten – wir freu­en uns über Zusen­dun­gen an mitmachen@aktiko.de.

Tom Gne­wuch

Wir waren dabei bei der AktiKo.Werkstatt: