“Zukunft. Macht. Sinn!”
Unter diesem Motto startete am 17. April die fünfte AktiKo. Rund 100 Teilnehmer*innen kamen zusammen, um gemeinsame Handlungsstrategien zu finden und bestehende Machtstrukturen zu analysieren. Unter der Moderation von Meike Pudlatz (GWÖ & Psy4F) diskutierten im Auftaktplenum Prof. Klaus Dörre (Uni Kassel), Annika Rittmann (FFF, Zukunftsentscheid Hamburg), Kristin Alheit (Paritätischer Wohlfahrtsverband) und Sandra Goldschmidt (ver.di) miteinander. Dabei verdichtete sich die Diskussion entlang mehrerer zentraler Punkte.
Ohnmachtsgefühl überwinden
In der Diskussion wurde deutlich, wie stark ein verbreitetes Ohnmachtsgefühl politisches Handeln blockiert. Es speist sich aus der Erfahrung, dass gesellschaftliche Mehrheiten oft nicht in Regierungspolitik übersetzt werden, aus der Unsicherheit über die Dauerhaftigkeit erzielter Fortschritte und aus Zweifeln an der Durchsetzbarkeit tiefgreifender Veränderungen. Prof. Klaus Dörre brachte Letzteres auf den Punkt: „Niemand glaubt, dass man den Elon Musks dieser Welt in die Taschen greifen kann“ zugleich betonte er, dass konkrete Vorschläge als Anker für neue Bewegungen dienen können. Vor diesem Hintergrund kritisierte er außerdem die kontraproduktive „Das wars jetzt Stimmung“ in progressiven Kreisen.
Lokale Ebene als Schlüssel
Mehrheiten für Klimapolitik existieren, treten jedoch oft nicht sichtbar in Erscheinung. Annika Rittmann brachte dies auf den Punkt: „Ich glaube nicht, dass die Mehrheit weiß, dass sie Teil der Mehrheit ist!“ Daraus folgt die Aufgabe, diese Mehrheiten im direkten Umfeld sichtbar zu machen – durch Gespräche mit den Nachbarn oder Debatten an Haustüren. Das Team des Zukunftsentscheids schließt daraus, den Hebel auf lokaler Ebene anzusetzen. So kann jeder Interessierte konkrete Klimaschutzmaßnahmen auf der Zukunftswebsite vorschlagen. Beteiligung möglich unter: https://zukunftsentscheid-hamburg.de/deine-ideen-zaehlen
Soziales und Ökologisches zusammendenken
Einigkeit bestand darin, dass Klimapolitik und soziale Gerechtigkeit untrennbar verbunden sind. Die Vorstellung eines Sozialstaats als Kostenfaktor wurde zurückgewiesen, Umverteilung als zentraler Hebel benannt. Zugleich warnte Prof. Klaus Dörre vor einer Verschiebung sozialer Deutungsmuster: „Arbeiter argumentieren wie Betriebswirte“. So werde die soziale Frage zunehmend als Konflikt zwischen Einzahlenden und vermeintlichen Nutznießenden des Sozialstaats verhandelt. Dem setzte Dörre eine klare Gegenperspektive entgegen: Erfolgreiche, progressive Sozialpolitik lasse sich nur erreichen, wenn Klassenkonflikte wieder ins Zentrum der politischen Auseinandersetzung rücken.
Langfristige Organisierung entlang punktueller Erfolge
Veränderung wurde als langfristiger Prozess beschrieben, der über einzelne Erfolge hinausgeht. Das Engagement dafür müsse dabei auch im Hier und Jetzt Sinn stiften und Anerkennung erfahren. Kristin Alheit brachte dies auf den Punkt: „Ich muss jetzt was von den langfristigen Zielen haben“. Daraus folgt auch die Herausforderung, politische Veränderungen so zu gestalten, dass sie für Menschen konkret spürbar werden.
Breitere Bündnisse und neue Aktionsformen
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie unterschiedliche Akteure stärker zusammenwirken können. Kooperationen wie #wirfahrenzusammen wurden als wichtige, aber ausbaufähige Ansätze hervorgehoben. Gleichzeitig braucht es neue Aktionsformen, die verschiedene Anliegen verbinden. Sandra Goldschmidt betonte: „Am 1. Mai geht’s wirklich um was!“ Ziel ist es, Kämpfe stärker zu bündeln, beispielsweise dadurch die 1. Mai-Demo im nächsten Jahr als einen Sternenmarsch zu organisieren.
Tom Christian Gnewuch | 23.04.26
Weitere Stimme zur AktiKo.5 von Karsten Weitzenegger (Hamburger Ratschlag): https://www.2030hamburg.de/aktiko-5-gebuendelte-energie-fuer-hamburgs-sozial-oekologische-transformation
Umfrage von Mehr Demokratie e.V. zur Demokratie an Schulen: https://hh.mehr-demokratie.de/demokratiebildung/umfrage

